Wie sieht die Mobilität in Hessen in Zukunft aus? Welche Angebote brauchen Menschen in ländlichen Regionen – und wie lassen sich Bus, Bahn, Fahrrad, On-Demand-Verkehre und weitere Mobilitätsangebote sinnvoll miteinander verbinden? Mit diesen und weiteren Fragen hat sich der 16. Mobilitätskongress in Frankfurt beschäftigt. Mit dabei waren auch Mitarbeitende des Nordhessische VerkehrsVerbunds (NVV).
Das Fachzentrum “Mobilität im ländlichen Raum”, das vom NVV und vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) gemeinsam betrieben wird, war an der Vorbereitung und Gestaltung des Kongresses in Frankfurt beteiligt. Damit flossen insbesondere die Erfahrungen der Landkreise und Kommunen aus den ländlichen Regionen Hessens in die Diskussion ein. Vertreterinnen und Vertreter aus Landkreisen und Kommunen trafen dabei auf Akteurinnen und Akteure aus Verkehrsverbünden, Wissenschaft, Unternehmen und Verbänden.
Im Mittelpunkt des Kongresses stand der Austausch: In mehreren Workshop-Runden konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aktiv einbringen und unterschiedliche Themen vertiefen. Aus insgesamt acht Themenfeldern standen jeweils zwei Thementische zur Auswahl. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wählten zu Beginn vier Workshops an den Thementischen aus. Die Workshops dauern jeweils 45 Minuten und setzen auf interaktive Formate statt auf reine Vorträge. So wurde gemeinsam diskutiert, ausprobiert und geplant.
Ein Themenfeld widmete sich unter dem Titel „30 Jahre Regionalisierung“ der Entwicklung des Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) in Deutschland. Im Rahmen der Bahnreform ging die Verantwortung vom Bund auf die Bundesländer über. An einem der dazugehörigen Thementische des NVV, der von NVV-Prokuristin Sarah Schmidt und Martin Lometsch, Leiter Verkehrsangebot Bus, als Experten begleitet wurde, konnten Interessierte einen Blick in die Vergangenheit werfen und sich fragen: Welche Veränderungen hat die Regionalisierung des SPNV in den vergangenen drei Jahrzehnten gebracht? Welche Projekte und Entwicklungen der Verkehrsverbünde waren besonders prägend? Gleichzeitig richtete sich der Blick nach vorn: Was wird uns in 30 Jahren überraschen – und welche Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, werden dann vielleicht ganz anders aussehen?
Mit einer anderen Perspektive beschäftigte sich der Thementisch „Jedes Dorf, jede Stunde“ des NVV, der von Luisa Neurath vom Fachzentrum Mobilität im ländlichen Raum und von Verkehrsplaner Martin Weißhand organisiert wurde. Sie wurden von Ingenieurin Maike Pohl aus dem NVV-Infrastrukturbereich und NVV-Werkstudent Vincent Diebold unterstützt. In einem Planspiel wurde ein fiktiver Landkreis dargestellt, der so in Hessen liegen könnte. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten hier gemeinsam überlegen, wie ein leistungsfähiges und zugleich realistisches ÖPNV-Netz für diesen Landkreis aussehen könnte. Mit Schnüren wurden Verbindungen zwischen Dörfern, Schulen und Städten sichtbar gemacht. Dabei stellten sich Interessierte die Fragen: Welche Orte müssen miteinander verbunden sein? Wo sind klassische Buslinien sinnvoll? Wo können On-Demand-Angebote eine Ergänzung sein?
Auch beim Thema Radverkehr brachten Regionen aus Nordhessen ihre Erfahrungen ein. Am entsprechenden Thementisch standen unter anderem Beispiele aus Waldeck-Frankenberg im Mittelpunkt. Weitere Impulse kamen aus dem Bereich Tourismus. Hier waren das Regionalmanagement Nordhessen sowie die Edersee-Touristik eingebunden. Gerade für eine touristisch geprägte Region wie Nordhessen ist die Frage der Erreichbarkeit eng mit der Entwicklung nachhaltiger Mobilitätsangebote verbunden.
Die Impulse aus Nordhessen zeigen: Zukunftsfähige Mobilität entsteht nicht nur in den Ballungsräumen. Auch in ländlichen Regionen werden innovative Konzepte entwickelt und erprobt. Die Erfahrungen aus Landkreisen und Kommunen können wichtige Impulse für die gesamte Mobilitätsentwicklung in Hessen liefern.
