Auch kleinere Orte regelmäßig mit Bus und Bahn erreichbar machen – das ist der Ansatz hinter „Jedes Dorf, jede Stunde & Mobilfalt Melsungen“. Das Projekt des Nordhessischen VerkehrsVerbunds (NVV) und der Stadt Melsungen wurde am 14. Oktober 2026 im Bundeswettbewerb „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ in Bonn ausgezeichnet. Es gehört zu den drei Beiträgen, die die Jury besonders würdigte.
Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeichnen mit dem Wettbewerb insgesamt 20 Projekte aus. Sie zeigen, wie sich Bahnhöfe in ländlichen Räumen besser mit Bussen, On-Demand-Angeboten, Fuß- und Radverkehr sowie weiteren Mobilitätsangeboten verknüpfen lassen. Ziel sind verlässliche Reiseketten, die auch ohne eigenes Auto im Alltag funktionieren.
Bus, Bahn und On-Demand greifen ineinander
In Melsungen wurden zwei Buslinien zu einem übersichtlichen StadtBus im Halbstundentakt zusammengeführt und durch ein flexibles On-Demand-Angebot ergänzt. Hinzu kommt das Prinzip „Jedes Dorf, jede Stunde“: Orte ab 200 Einwohnerinnen und Einwohnern sollen mindestens stündlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein.
Zentraler Knoten ist der modernisierte Bahnhof Melsungen. Kurze Umsteigewege erleichtern den Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln. Das Bahnhofsgebäude mit Kundenzentrum, Café, WC, Volkshochschule und Musikschule stärkt den Standort zugleich als Verkehrs- und Aufenthaltsort. Steigende Einstiegszahlen auf den regionalen Buslinien weisen auf die wachsende Bedeutung des Bahnhofs als Verknüpfungspunkt hin.
Marian Volmer, NVV-Geschäftsführer: „Mit ‚Jedes Dorf, jede Stunde‘ verfolgen wir beim NVV einen klaren Anspruch für ganz Nordhessen: Auch der ländliche Raum soll zuverlässig an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sein. In diesem Jahr erreichen wir dabei einen wichtigen Meilenstein: Das Angebot erreicht die 100-Prozent-Marke. Dass unser Ansatz nun im Bundeswettbewerb besonders gewürdigt wird, freut uns sehr. Der Wettbewerb bestätigt uns darin, StadtBus, regionale Bus- und Bahnverbindungen sowie flexible On-Demand-Angebote intelligent miteinander zu verknüpfen und die Auszeichnung für Melsungen macht sichtbar, wie wir diesen nordhessenweiten Anspruch vor Ort konkret umsetzen.“
Eines von 20 ausgezeichneten Projekten
„Jedes Dorf, jede Stunde & Mobilfalt Melsungen“ gehört zu den 20 Gewinnerprojekten des bundesweiten Wettbewerbs und erhält ein Preisgeld von 5.000 Euro. Als eines der drei besonders ausgezeichneten Projekte wird der Melsunger Ansatz zudem in einem Kurzfilm vorgestellt.
Sabine Poschmann, Parlamentarische Staatssekretärin bei der Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen: „Wer auf dem Land lebt, darf ohne eigenes Auto nicht abgehängt sein. Gute Mobilität bedeutet Teilhabe – und sie macht Gemeinden zu attraktiveren Orten zum Leben und Arbeiten. Die ausgezeichneten Projekte zeigen, was vor Ort möglich ist, wenn Kommunen und Verkehrsunternehmen gemeinsam anpacken. Davon brauchen wir mehr.“
Dr. Peter Jakubowski, Leiter des BBSR: „Ein guter Bahnanschluss hilft wenig, wenn man die letzten Kilometer nicht weiterkommt. Die ausgezeichneten Projekte setzen genau dort an: Sie stimmen Busse auf Züge ab, bringen Menschen aus den Ortsteilen zum Bahnhof und sorgen für sichere und kurze Wege beim Umsteigen. Das sind Lösungen, die den Alltag konkret erleichtern. Und viele davon lassen sich auch andernorts umsetzen. Genau deshalb machen wir sie mit diesem Wettbewerb sichtbar.“
Alle ausgezeichneten Projekte werden auf Mobilikon, dem Online-Nachschlagewerk des BBSR für kommunale Mobilität, vorgestellt. Es bündelt Praxisbeispiele und Informationen zu Mobilitätslösungen und unterstützt Kommunen dabei, passende Ansätze für die Situation vor Ort zu finden.
Hintergrund: Bundesprogramm Region gestalten
Der Wettbewerb „Anschlüsse gestalten. Mobil in ländlichen Räumen“ wurde im Rahmen des Bundesprogramms Region gestalten durchgeführt. Mit dem Programm unterstützt das BMWSB Projekte mit besonderem Fokus auf ländliche Räume. Ziel ist es, neue Ansätze für die räumliche Entwicklung zu erproben und Erkenntnisse für andere Regionen nutzbar zu machen.
Das BBSR begleitet die Projekte wissenschaftlich, bereitet Erfahrungen für die kommunale Praxis auf und macht übertragbare Lösungsansätze zugänglich.
Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Wettbewerb und zu den ausgezeichneten Projekten gibt es im Internet unter www.mobilkon.de.
