Das Bus- und Bahnangebot in Nordhessen muss erhalten und weiter verbessert werden: Diesen Ausblick geben NVV-Geschäftsführer Marian Volmer und NVV-Aufsichtsratsvorsitzender Andreas Siebert zum Jahresbeginn 2026. „In den vergangenen Jahren haben wir uns darauf konzentriert, das ÖPNV-Angebot unter dem Motto ‚Jedes Dorf, jede Stunde‘ auszubauen. Auf diese Angebots-Offensive folgt jetzt die Qualitäts-Offensive“, sagt Siebert. Im Fokus stehen nun beispielsweise die Zuverlässigkeit der Fahrgastinformationen, der Service für die Kundinnen und Kunden, sowie Sauberkeit und Sicherheit an Haltestellen und in den Fahrzeugen. „Daran arbeiten wir gemeinsam mit unseren Partnern - den von uns beauftragten Verkehrsunternehmen und Dienstleistern sowie den Landkreisen und Kommunen“, betont Volmer. Ziel ist es, das bestehende Angebot dauerhaft attraktiv, verständlich und verlässlich zu gestalten.
Qualitäts-Offensive und Fahrgast-Dialog
Vieles laufe schon sehr gut: So gebe es in den Regionalzügen im NVV-Gebiet bereits eine sehr gute Zugbegleitquote. „Dies trägt zum Sicherheitsgefühl unserer Fahrgäste bei“, so der NVV-Geschäftsführer. Rückmeldungen von Fahrgästen zeigten aber auch, wo es noch Verbesserungspotenzial gebe: Beispielsweise beim Ticketkauf in der NVV-App sowie an den Automaten. „Das Feedback unserer Kundinnen und Kunden nehmen wir sehr ernst. Es hilft uns, noch besser zu werden“, sagt Marian Volmer. So soll beispielsweise die Menüführung der Ticketautomaten an den Bahnsteigen und in den RegioTram-Fahrzeugen angepasst werden, um die Nutzung zu vereinfachen. Darüber hinaus wird die NVV-App für eine komfortable Reiseplanung weiter optimiert. Die Möglichkeit, das digitale Deutschland-Ticket über die NVV-App zu abonnieren, wird von den Kundinnen und Kunden bereits gut angenommen.
Während der NVV seit vielen Jahren mit der 5-Minuten-Garantie ein klares Serviceversprechen gibt und bundesweit Maßstäbe in der Qualitätsarbeit setzt, soll auch der direkte Dialog mit den Fahrgästen weiter gestärkt werden. Die erfolgreiche Veranstaltungsreihe „Lass uns reden“ wird daher in diesem Jahr fortgesetzt, um Hinweise, Anregungen und Kritik frühzeitig aufzunehmen. Ergänzt wird der Dialog durch ein etabliertes Beschwerdemanagement, das hilft, Probleme systematisch zu erkennen und konkrete Verbesserungen umzusetzen. Auch der Umbau der NVV-Kundenzentren wird fortgesetzt. Der NVV arbeitet gemeinsam mit seinen Vertriebsdienstleistern daran, die Abläufe zu optimieren und den Service für die Fahrgäste spürbar zu verbessern. Ziel ist es, an allen Standorten ein verlässliches und kundenfreundliches Beratungs- und Verkaufsangebot sicherzustellen.
Auch die Gestaltung der Haltestellen hat der Nordhessische VerkehrsVerbund im Blick. Unter anderem berät und unterstützt der NVV Kommunen beim barrierefreien Ausbau der Haltestellen und hat einen Leitfaden für “Zukunftsfähige Haltestellen in Nordhessen” erstellt. Die Broschüre enthält wichtige Informationen für eine bedarfsgerechte und zugleich attraktive Haltestelleninfrastruktur in den Kommunen und deren Qualitätssicherung.
Beim Ausbau von Haltestellen können Städte und Gemeinden auch Digitale Fahrgastinformations-Anzeiger (DFI) an den Haltestellen aufstellen. Darüber können Fahrgäste aktuell über mögliche Verspätungen oder Ausfälle informiert werden. Beim Erscheinungsbild der Haltestellen spielt ebenfalls das Feedback von Kundinnen und Kunden eine wichtige Rolle: Fahrgäste können beispielsweise Schäden an Haltestellen direkt an den NVV melden, so dass diese zeitnah behoben werden können.
Mehr Fahrgäste in Bussen, Regionalzügen und RegioTrams
Nach eineinhalb Jahren als Geschäftsführer des Nordhessischen VerkehrsVerbunds zieht Volmer eine positive Bilanz. „Unser Ziel ‚Jedes Dorf, jede Stunde“ haben wir fast im gesamten NVV-Gebiet erreicht. Bis auf wenige Ausnahmen ist jeder Ort mit mehr als 200 Einwohnern mindestens einmal pro Stunde über den ÖPNV an wichtige Ziele in der Region angeschlossen.“ Siebert ergänzt: „Unsere Fahrgäste wissen dieses gute Bus- und Bahnangebot zu schätzen – das zeigen auch die steigenden Fahrgastzahlen.“
Im Linienbusverkehr im NVV-Gebiet sind die Fahrgastzahlen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent gestiegen. Gegenüber dem Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019 verzeichnet der NVV im Busverkehr einen Anstieg der Fahrgastzahlen um 34 Prozent – an den Wochenenden sogar um 60 Prozent. Die am stärksten nachgefragten Buslinien im NVV-Gebiet sind zum einen Linien, die die Stadt Kassel mit den nordhessischen Landkreisen verknüpfen – beispielsweise die Linie 37 (Söhrewald <> Lohfelden <> Kassel) und die Linie 500 (Bad Wildungen <> Fritzlar <> Kassel). Doch auch Buslinien ohne Anbindung an Kassel verzeichnen hohe Fahrgastzahlen, wie zum Beispiel die Linie 470 (Schwalmstadt <> Neukirchen <> Bad Hersfeld), die Linie 540 (Hatzfeld <> Allendorf <> Frankenberg) oder auch StadtBuslinien wie in Eschwege. „Das verdeutlicht, dass die Menschen in ganz Nordhessen von dem guten ÖPNV-Angebot profitieren – auch in den ländlich geprägten Regionen“, sagt Marian Volmer. In den kommenden Jahren will der NVV die letzten Lücken schließen, um den Stundentakt flächendeckend für ganz Nordhessen anzubieten. Dies erfolgt im Rahmen der Neuvergabe von Verkehrsverträgen, deren Ausschreibung bereits in den vergangenen Jahren erfolgt ist.
Für den Regionalzug- und RegioTramverkehr liegt zwar noch keine Auswertung der Fahrgastzahlen für 2025 vor. Im Jahr 2024 war gegenüber dem Vor-Corona-Niveau im Jahr 2019 eine deutliche Steigerung der Nutzung zu verzeichnen: im von der Kurhessenbahn betriebenen Nord-West-Hessen-Netz um 28 Prozent, im von Cantus betriebenen Nord-Ost-Hessen-Netz um 22 Prozent und im RegioTram-Netz um 9 Prozent.
„Für mich ist diese positive Entwicklung ein Anlass, Danke zu sagen“, so NVV-Geschäftsführer Marian Volmer. „Unseren Fahrgästen, die uns die Treue halten. Den Verkehrsunternehmen und Dienstleistern, ohne die es dieses ÖPNV-Angebot in Nordhessen nicht gäbe. Den Landkreisen und Kommunen – denn in Zeiten knapper kommunaler Kassen ist es nicht selbstverständlich, in den öffentlichen Nahverkehr zu investieren.“ Das weiß auch Andreas Siebert, NVV-Aufsichtsratsvorsitzender und Landrat des Landkreises Kassel. „Aber die Investitionen lohnen sich“, stellt er klar. „Denn ein gutes Bus- und Bahnangebot in Nordhessen zahlt sich aus: für soziale Teilhabe, für Wirtschaft und Tourismus und für Klima- und Umweltschutz.“
Einschränkungen durch Bauarbeiten am Schienennetz
In den kommenden Jahren rechnet der Nordhessische VerkehrsVerbund mit verstärkten Einschränkungen im Regionalzug- und RegioTramverkehr aufgrund von Baustellen an Schienenstrecken. „Ausfälle und Verspätungen werden die Geduld unserer Fahrgäste zunehmend auf die Probe stellen“, sagt Marian Volmer. „Der NVV steht deshalb in engem Austausch mit der Deutschen Bahn als Bauherrin. Unser Ziel ist, die Einschränkungen für die Fahrgäste in Nordhessen so gering wie möglich zu halten. Langfristig hoffen wir, dass die Arbeiten am Schienennetz zu mehr Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit im Regionalzugverkehr führen.“
