Fahrplanauskunft

Poetry Rail Show zum 30 Jahrestag des Mauerfalls am 9.11.19

Ein Poetry Slam-Feuerwerk im cantus zwischen Kassel und Eisenach

Mit der Abfahrt der RB5 in Richtung Bebra eröffnete der bekannte Poetry Slammer Felix Römer pünktlich um 16.10 Uhr die „Poetry Rail Show“ des NVV anläßlich des 30. Mauerfall-Jahrestages.

Auf der Fahrt nach Eisenach und zurück brachten 5 Poetinnen und Poeten die Fahrgäste vom ersten Moment an mit gesprochenen und gesungenen Worten in ihren Bann. Es ging um vermeindliche Gefühle, anders zu sein, Frau zu sein, Mensch mit Migrationshintergrund zu sein. Es ging um Alltägliches und um nachhaltige Begegnungen. Alle Fahrgäste, darunter zahlreiche „Poesie-Fans“, die extra mitgereist waren, erlebten in den cantus-Zügen ein verbales Feuerwerk auf einer rollenden Bühne der besonderen Art.

So trug die gebürtige Berlinerin und derzeitige Leipzigerin Inke Sommerlang ihr Herz auf der Zunge, als sie davon berichtete, wie sie zur Poetry Slammerin wurde oder welche Erfahrungen sie als Frau auf der Bühne sammeln durfte.

Flemming Witt, der amtierender Landesmeister Thüringens, punktete mit tiefgreifenden Alltagserfahrungen. Zum Beispiel, als er mit seiner Mischung aus Charme und aufrichtiger Komik, im Zwiegespräch mit dem Gemüse Mangold den Zuhörern einen tiefen Einblick in seine Verarbeitung der herbstlichen Mangold-Flut gab. Oder mit Texten über gescheiterte frühkindliche Liebesbeziehungen.

Der Berliner und Deutscher Meister im Team-Slam, Micha Ebeling, begeisterte die Fahrgäste mit seiner unglaublichen Lesegeschwindigkeit von perfekt vorgetragenen Texten, z. B. über Choleriker oder Reiseerfahrungen in die Schweiz. Er wechselte dabei virtuos zwischen literarischen Stilen, vom prosaischen Geschichtenerzählen bis hin zur experimentellen Lyrik.

Tanasgol Sabbagh (geb. 1993 in Amol, Iran) tritt seit 2011 deutschlandweit auf Slambühnen auf. In der Rail Show überzeugte sie die Zuhörer sehr eindrucks- und gefühlvoll mit Texten über interkulturelle Begegnungen und der vermeindlich lapidaren Frage der Herkunft.

Eigentlich ist Max Frederic Remmert, seines Sternzeichens nach ein Tausendsassa, Gitarrist der Band „Alter Kaffee“. Unterwegs begeisterte er das Publikum in einem Zug mit rhythmisch interessanten Mitmach-Liedern, getreu dem Motto „Bin ich normal? Bin ich normal? – Nein, nein, nein, nein – das bist du nicht!“

Überraschend und für den Anlass sehr passend, konnten sich alle Fahrgäste im Zug der „Poetry Rail Show“ schließlich an der ehemals innerdeutschen Grenze an einem Feuerwerk erfreuen. Dieses wurde kurz vor Herleshausen im Rahmen einer örtlichen Feier gezündet und kam so auch den Vorbeifahrenden zugute.

Nach dem reellen Feuerwerk und dem Feuerwerk an eindrücklichen und literisch sehr hochwertigen Texten der Lyrik und Prosa endete die Poetry Rail Show pünktlich um 19.30 Uhr in Eschwege-Niederhohne, dem Sitz des Vereins „Schlüsselblume e.V.“ der maßgeblich zum Gelingen der „Poetry Rail Show“ beigetragen hat.

Die KünstlerIinnen der Poetry Rail Show