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Der NVV ist Partner beim Projekt „U-hoch-3“ zur Entwicklung eines Assistenzsystems, das den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen soll

Der Nordhessische VerkehrsVerbund ist einer der Anwendungspartner beim wissenschaftlichen Projekt „Unbeschwert urban unterwegs“ – kurz „U-hoch-3“ – zur Entwicklung eines informationstechnischen Assistenzsystems, das den öffentlichen Nahverkehr attraktiver machen und Nutzungsbarrieren abbauen soll. Dazu ist ein einjähriger Feldtest in Kassel geplant.

„Ziel ist es“, so der NVV-Geschäftsführer Wolfgang Rausch, „mehr Menschen für den ÖPNV zu gewinnen. Dafür gilt es Hemmnisse zu erkennen und zu beseitigen. Der Belegungszustand der Busse und Bahnen und die Anschlusssicherung sind hier entscheidende Themen. Neu am Projektansatz ist, dass zuerst der Fahrgast aktiv wird. Er stößt mit seinem Anschlusswunsch oder der Frage nach der aktuellen Belegung des gewünschten Verkehrsmittels, die Informationskette an. Durch die so ermittelten Daten kann der aktuelle Fahrplan ständig überprüft und bei Bedarf verbessert werden“ – so Rausch bei der Projektvorstellung am 12. Juli in der Universität Kassel.

Ein Forschungskonsortium entwickelt und erprobt dort in den kommenden vier Jahren ein digitales System, das unter anderem Informationen über den Belegungszustand von Bussen und Straßenbahnen bereitstellen, die Anschlusssicherheit beim Umsteigen verbessern und mit einem Lieferdienst die separate Beförderung von Einkäufen und Gepäck ermöglichen soll.

Wer kennt das nicht: Mit schweren Einkäufen von der Straßenbahn zur Bushaltestelle hetzen, aber der Anschlussbus ist gerade weg, der nächste Bus überfüllt. Damit die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs kundenfreundlicher wird, arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in dem Projekt U-hoch-3 („Unbeschwert urban unterwegs“) an einem informationstechnischen Assistenzsystem zum Abbau von Nutzungsbarrieren. „Wir haben ein Assistenzsystem konzipiert, das Fahrgäste bedarfsgerecht entlang ihrer Reisekette unterstützt. Zusätzlich zur intermodalen Reiseplanung bietet es einen innovativen innerstädtischen Lieferdienst, der mit Gepäckabgabe, Transport und Zustellung die gesamte Lieferkette abdeckt und damit das Einkaufen ohne Auto erleichtert“, so Koordinator Prof. Dr.-Ing. Ludger Schmidt. „Denn wenn öffentliche Verkehrsmittel attraktiver werden, reduziert dies die Schadstoff- und Lärmbelastung in der Stadt und verbessert die Lebensqualität im urbanen Raum deutlich. Zwei Drittel der zurückgelegten Wege in Städten entfallen auf Freizeitaktivitäten, Einkauf und private Erledigungen.“

Getestet werden zunächst prototypisch entwickelte Komponenten des Assistenzsystems im Labor des Fachgebiets Mensch-Maschine-Systemtechnik mit Hilfe einer CAVE, also einer Simulationsumgebung, die mit drei Projektionsleinwänden einen Ort wie eine Haltestelle oder einen Bahnhof virtuell nachbildet. Dort kann u. a. ein Straßenbahnsimulator platziert werden und sich ein Fußgänger auf einem Laufeingabegerät bewegen. Darüber hinaus soll auch eine Verkehrsleitstelle aufgebaut und der Einsatz von Lieferrobotern untersucht werden.

Gemeinsam mit innerstädtischen Verkehrsdienstleistern wollen die Wissenschaftler nach dem Real-Aufbau des Systems in einem einjährigen Feldtest in Kassel evaluieren, wie der Belegungszustand von öffentlichen Verkehrsmitteln erfasst und in Echtzeit bereitgestellt werden kann, damit Fahrgäste künftig in ihrer Reiseplanung flexibel darauf reagieren können. Zudem wird ein Konzept zur Anschlusssicherung erprobt. Dabei soll der Kunde seinen Anschlusswunsch signalisieren können, so dass Verkehrsdienstleister den Anschluss sicherstellen und verlässliche Informationen dazu bereitstellen können.

Nach einer ersten Konzeptentwicklungsphase und einem mehrstufigen Auswahlprozess im Rahmen des Förderschwerpunktes „Individuelle und adaptive Technologien für eine vernetzte Mobilität“ des BMBF-Forschungsprogramms zur Mensch-Technik-Interaktion wurde nun auch die zweite Förderphase zur Umsetzung des Projektes bewilligt. Das Projekt hat insgesamt eine Laufzeit von fünf Jahren und ein Volumen von gut 6,6 Mio. Euro. Prof. Dr. Arno Ehresmann, Vizepräsident Forschung der Universität Kassel: „Der positive Bescheid für die zweite Förderphase belegt eindrücklich die Qualität der bislang geleisteten wissenschaftlichen Arbeit. Wir freuen uns sehr, dass mit dem Projekt ein innovatives Labor für öffentliche Mobilität und urbane Logistik in Kassel entsteht, mit dem zahlreiche Projektpartner überregional vernetzt werden und für das die Universität mit gut 2,4 Mio. Euro gefördert wird.“

Als Forschungs- und Entwicklungspartner sind DHL (Bonn/Kassel), INIT Innovative Informatikanwendungen in Transport-, Verkehrs- und Leitsystemen (Karlsruhe) und IVU Traffic Technologies (Aachen/Berlin) am Projekt beteiligt. Anwendungspartner sind die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft und der Nordhessische Verkehrsverbund (Kassel). Neben dem Fachgebiet Mensch-Maschine-Systemtechnik als Gesamtprojektkoordinator sind von Seiten der Universität Kassel die Fachgebiete Verkehrsplanung und Verkehrssysteme (Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer) sowie Öffentliches Recht, IT-Recht und Umweltrecht (Prof. Dr. Gerrit Hornung) dabei. Als assoziierte Partner beteiligen sich der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, die Stadt Kassel, das Netzwerk der nordhessischen Mobilitätswirtschaft MoWiN.net sowie Kasseler Einzelhandelsvereine und Betreiber von Einkaufszentren und Parkhäusern.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.u-hoch-3.de

 




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