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Befragung von NVV und KVG zum 9-Euro-Ticket: Viele Menschen in Nordhessen ließen das Auto zugunsten von Bus und Bahn stehen

Wie wurde das 9-Euro-Ticket in Nordhessen genutzt, und welche Auswirkungen hat dies langfristig auf die Nutzung von Bus und Bahn in der Region? Das wollten der Nordhessische VerkehrsVerbund (NVV) und die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) mithilfe einer Befragung unter ihren Fahrgästen herausfinden. Die Ergebnisse dieser umfangreichen Marktforschungsstudie liegen nun vor.

Mehr als 1.700 Menschen aus Nordhessen haben sich an der im Online-Verfahren durchgeführten Studie beteiligt. Ein Drittel der Befragten erhielten das Ticket durch Rabattierung eines bestehenden Abonnements bzw. JobTickets im NVV-Tarif. Zwei Drittel der Teilnehmenden hatten das 9-Euro-Ticket explizit gekauft – davon haben es mehr als drei Viertel (rund 850 Personen) für alle drei Monate (Juni, Juli und August 2022) erworben.

Die Mehrheit der 9-Euro-Ticket-Käufe (60 Prozent) fand über die bekannten analogen Vertriebskanäle von NVV und KVG statt (Automaten, Kundenzentren, Verkaufsstellen sowie Busfahrerinnen und -fahrer). Ein Grund dafür könnte sein, dass es bei personalbedienten Verkaufsstellen die Möglichkeit zur direkten Beantwortung von Fragen zur Ticketnutzung gab. Demgegenüber erfolgten 40 Prozent der Ticketkäufe digital (über Apps und Internetseiten von NVV und Deutsche Bahn). 

Die Befragten haben das 9-Euro-Ticket für alltägliche Fahrten wie Einkäufe und Erledigungen, für Wege zur Arbeit oder zur Schule sowie für Freizeitfahrten (Urlaub, Ausflüge, Städtereisen, Besuchsfahrten) genutzt.  

Für die Befragten war der günstige Preis das Hauptargument für den Kauf des 9-Euro-Tickets. Immerhin an zweiter Stelle der genannten Kaufgründe stehen „Verzicht auf den PKW“ und „Umwelt schützen“. Das kann als Hinweis darauf gewertet werden, dass das 9-Euro-Ticket Menschen bewegt hat, wenigstens teilweise vom Auto auf den ÖPNV umzusteigen. Dazu passt die Angabe, dass Verkehrsmittel wie Auto und Motorrad im 9-Euro-Ticket-Zeitraum deutlich seltener genutzt wurden als vorher. Gleichzeitig gaben die Befragten an, häufiger mit Bussen und Bahnen gefahren zu sein als vor dem Aktionszeitraum. Die Nutzung von Fahrrad bzw. Fernzügen blieb hingegen unverändert. 

Die Studienergebnisse zeigen, dass sich Menschen, die schon vor dem 9-Euro-Ticket regelmäßig häufiger den ÖPNV genutzt haben, deutlich mehr an vollen Zügen und Bahnhöfen während des Aktionszeitraums gestört haben als Menschen, die erst durch das 9-Euro-Ticket zu ÖPNV-Nutzern wurden. Eine Schlussfolgerung daraus liegt auf der Hand: Es reicht nicht aus, dauerhaft ein günstiges Ticket anzubieten – vielmehr muss auch in den Ausbau des ÖPNV investiert werden, damit Busse und Bahnen auch bei einer dauerhaft höheren Anzahl von Fahrgästen genügend Kapazitäten aufweisen.

Deshalb braucht es – auch nach einhelliger Meinung innerhalb der ÖPNV-Branche – unter anderem mehr Personal und mehr Fahrzeuge, damit die Nutzung des ÖPNV attraktiv bleibt. 

Eine Mehrheit der Befragten (58 Prozent) fand den Preis des 9-Euro-Tickets „angemessen“. Immerhin 38 Prozent der Befragten bewerteten den Preis als „zu günstig“.

Auf die Frage „Mal in die Zukunft gedacht: Wie viel dürfte ein Monatsticket mit dem gleichen Leistungsumfang wie das 9-Euro-Ticket (d. h. deutschlandweite Gültigkeit im gesamten ÖPNV) Ihrer Meinung nach maximal kosten?“ nannten 28 Prozent einen Betrag von weniger als 26 Euro; 20 Prozent der Befragten hielten einen Preis zwischen 26 und 30 Euro für angemessen. Demgegenüber nannten beispielsweise nur 12 Prozent der Befragten eine Preisspanne von 41 bis 50 Euro – in der sich das nun vom Bund angekündigte 49-Euro-Ticket bewegt. Einen Preis über 50 Euro konnten sich 11 Prozent der Befragten vorstellen.

Fast 14 Prozent der Befragten haben angegeben, vor dem 9-Euro-Ticket-Zeitraum Bus und Bahn gar nicht genutzt zu haben. Das 9-Euro-Ticket hat also dazu beigetragen, neue Fahrgäste für den ÖPNV zu gewinnen. Ob dieser Effekt von Dauer sein wird, oder ob sich diese Neukundinnen und -kunden mit dem Ende des Aktionszeitraums wieder vom ÖPNV abwenden, soll eine für die nächsten Wochen geplante Folge-Befragung derselben Personen zeigen. 

 




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